Gewinner und Verlierer des Content-Booms

Die Zukunft des Contents im Internet ist mehr als nur rosig. Das behaupte nicht ich. Sondern das postuliert Joachim Graf, der mit den iBusiness Nachrichten Zukunftsforschung für das interaktive Business betreibt. Seine Thesen:

  • Je mehr Google und andere Suchmaschinen genauer zwischen tatsächlich relevanten Inhalten und lediglich SEO-optimiertem Webschrott unterscheiden können, umso wichtiger werden Inhalte für Website-Betreiber.
  • Je wichtiger der direkte Kontakt zum Konsumenten für die Unternehmens-Marketeers wird, umso wichtiger wird es, diesen mittels exklusivem Content Gründe zu liefern, auf der eigenen Website, dem eigenen Facebook-Profil regelmäßig vorbeizuschauen.
  • Je mehr Content es im Web gibt, umso wichtiger wird eigener hochkarätiger Inhalt für Shopbetreiber und Unternehmen, um Nutzer anzuziehen.

Das ist natürlich Wasser auf unsere Mühlen. Schließlich sind wir darauf spezialisiert, für unsere Kunden einzigartigen und damit wertvollen Content zu erstellen.

Internet-Business-Experte Graf wagt sogar eine Prognose in Bezug auf die Gewinner und Verlierer, die das Ringen um hochwertigen Content und damit die Sonnenplätze im Google-Ranking mit sich bringen dürfte:

GEWINNER:

Markenartikler und A-Unternehmen sowie Content-Softwareanbieter
Marketing- und Vertriebsabteilungen werden laut Graf in den kommenden Jahren einen größeren Bedarf an Produzenten, an Werbetextern und Redakteuren entwickeln. Auch der Bedarf an Fotografen, Infografikern und Videoproduzenten dürfte steigen, wenn auch nicht in diesem Maße.

Ebenfalls im Aufwind sieht Graf die Nachfrage nach Computersystemen, die die (Zweit-)Nutzung von bereits in der Unternehmens-IT gespeicherten und zum publizieren verfügbarem Content erleichtern: Media-Asset-Managementlösungen, Product-Information-Managementsysteme (PIM), Übersetzungs-/Lokalisierungslösungen, Wikis sowie Softwarelösungen zur automatisierten Textproduktion werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen.

PR-Agenturen
PR-Agenturen und PR-Journalisten stehen vor einem Auftragsboom, da unternehmenseigener Content in immer größerer Menge hergestellt werden muss. Von Unternehmen betriebene Fachblogs, Whitepapers, Hilfsvideos und Branded Entertainment werden an Bedeutung gewinnen, ist Joachim Graf überzeugt.

Allerdings (und das macht uns Hoffnung auf neue Kunden): Unternehmen sind zunehmend nicht in der Lage, die Mengen des benötiogten Contents hausintern zu produzieren und über die verschiedene Kanäle: Website, Social-Media-Plattformen etc. auszuspielen. Besonders gute Karten haben dabei Content-Lieferanten, die neben der Textproduktion auch in der Lage sind, aufmerksamkeitsstarke Bilder und zunehmend auch Videos zu produzieren, die viral in sozialen Kanälen funktionieren. Das hören wir gerne – denn das ist unser Kerngeschäft.

Social-Media-Dienstleister
In PR und Marketing dürfte es laut Graf einen verstärkten Drang geben, die Felder des User Generated Contents automatisierter als bisher zu pflegen und abzuernten, um Gratis-Content in großer Menge zur Verfügung zu stellen. Hier sieht er vor allem spezialisierte Social-Media-Agenturen unter den Gewinnern. Weniger, weil sie die den Social-Content selber generieren, als vielmehr deshalb, weil sie von Unternehmen beauftragt werden, Kampagnen zu entwickeln und durchzuführen, an deren Ende nutzergenerierte Inhalte stehen.

VERLIERER:

Mee-too-Unternehmen
Unter den Verlierern der Entwicklung sieht Graf  diejenigen Unternehmen, die aufgrund ihrer Größe oder ihres Kundenstamms nicht willens oder nicht in der Lage sind, in die Content-Spirale mit zu investieren und die darüber hinaus weder über eine treue Kundschaft noch über deutliche Produkt-Alleinstellungsmerkmale verfügen.

Wer als Unternehmen also weder eine starke Marke besitzt (die von allein dafür sorgt, dass Kunden zu einem kommen) noch bereit ist, in die Produktion oder den Einkauf von Content zu investieren, der wird Boden verlieren gegenüber Konkurrenz-Unternehmen, die wahlweise das eine besitzen oder die das andere tun – oder gar beides.

Klassische Fachzeitschriften und PR-ferne Fachjournalisten
Verlieren werden klassische Special-Interest- und Fachzeitschriften, so sie ihr Geschäfts- und vor allem ihr Content-Modell nicht drastisch ändern, davon ist der iBusiness-Experte überzeugt. Je mehr Unternehmen ihren eigenen Content produzieren und verbreiten (lassen), umso weniger sind sie willens, für exakt diese Leistung Geld in Form von Werbung und Leistung in Form von Pressearbeit zu liefern.

Für Fachjournalisten, die Wert auf ihre Industrieferne legen, wird die Luft in den kommenden Jahren ebenfalls dünner. Ohne ein Standbein in die Public Relation wird kein Fachjournalist und schon gar kein Freelancer mehr überleben können. Für mich die interessanteste der Grafschen Thesen.

General-Interest- und Content-Lieferanten der B-Kategorie
Verlieren sollen laut Graf auch Content-Lieferanten, deren Geschäftsmodell rein auf dem direkten oder indirekten Verkauf von Inhalten beruht und die nicht in der Lage sind, sich über eine starke A-Marke und exklusive, selbst produzierte Inhalte vom Verlag zur Plattform weiterzuentwickeln. Demnach bekämen etwa General-Interest-Verlage dann ein Problem, wenn sie gegen von Unternehmen selbstvermarktete Branded-Entertainment-Angebote im identischen Themenfeld konkurrieren müssten.

Zum einen, weil die Werbung wegfällt, mit der die General-Interest-Verlage ihren Content gegenfinanzierten. Zum anderen, weil sie Leser verlieren, die lieber direkt zur Originalquelle surfen anstatt den lediglich abgeleiteten Content der Verlage zu nutzen. Während ein Branded-Entertainment-Angebot in jedem Fall auf eine Bezahlfunktion verzichten kann, ist dies bei einem contentgetriebenen Verlag nicht notwendigerweise der Fall.

Posted by Heiner Sieger  |  Kommentare deaktiviert  |  in Aktuelles

Comments are closed.